Projekt des Super Sauna Club Oberes Piestingtal
SSC Sauna Logger
Messdaten als Grundlage für perfektes Saunieren — offen, nachvollziehbar, für alle.
Das Gerät
Was ist der SSC Sauna Logger?
Gutes Saunieren ist eine Kunst, die mit den Jahren wächst. Wer das Gespür für Hitze, Luftfeuchtigkeit und den richtigen Moment des Aufgusses entwickelt hat, braucht keine Zahlen — und doch können Zahlen das, was das Gespür schon weiß, sichtbar machen, festhalten und weitergeben. Genau dafür steht der SSC Sauna Logger.
Das Gerät zeichnet nach dem Start einer Session Temperatur und Luftfeuchtigkeit lückenlos auf — und liefert die Datenbasis, auf der Verbesserungen aufbauen. Für den Saunameister bedeutet das: Rückmeldung nach jedem Gang, Vergleichbarkeit zwischen Sessions und die Möglichkeit, die eigene Technik gezielt weiterzuentwickeln.
Der SSC Sauna Logger wurde von Anfang an für die gesamte Sauna-Szene entwickelt — nicht nur für den eigenen Betrieb. Der Quellcode ist frei verfügbar: jeder Verein, jede Gemeinde und jede Privatperson kann das Gerät nachbauen, anpassen und für den eigenen Betrieb weiterentwickeln.
Hintergrund
Warum haben wir das gebaut?
Guter Aufguss ist Handwerk — und wie jedes Handwerk lässt er sich mit der Zeit verfeinern, wenn man versteht, was tatsächlich in der Kabine passiert. Der SSC Sauna Logger ist ein Werkzeug für genau dieses Streben: Wer weiß, wie schnell die Hitze steigt, wie sich Luftfeuchtigkeit und Temperatur nach einem Aufguss verhalten und wo die eigene Technik noch Spielraum hat, kann gezielt auf jenes Niveau hinarbeiten, das einen Saunameister auszeichnet.
Der Super Sauna Club hat deshalb ein eigenes Mess-System entwickelt: offen, günstig nachzubauen und auf die realen Anforderungen des Saunierens abgestimmt. Professionelle Messgeräte sind teuer und für Vereinsbetrieb kaum erschwinglich — eine durchdachte, freie Alternative hat gefehlt. Diese Lücke schließt der SSC Sauna Logger.
Einfach erklärt
Wie funktioniert das?
Das Gerät besteht aus zwei Teilen: einem kompakten Touchscreen-Display, das außerhalb der Sauna montiert wird und die aktuellen Werte in Echtzeit anzeigt — und einem robusten Industrie-Sensor (FS400-SHT35) an einem zwei Meter langen Silikonkabel, der in die Kabine geführt wird und dort direkt am Geschehen misst, wo die Saunateilnehmer sitzen.
Eine Session wird per Touchscreen gestartet — die Beschriftung (Datum, Aufgussmeister, Besonderheiten) erfolgt optional nach dem Aufguss. Ab dem Start misst das Gerät kontinuierlich und speichert alle Daten lokal auf einer Speicherkarte. Das Gerät verfügt über integriertes WLAN — optional kann es die Messdaten direkt an eine eigene MariaDB-Datenbank übermitteln.
Erste Test-Session · 27. April 2026
Was die ersten Daten zeigen
Am Abend des 27. April 2026 lief der SSC Sauna Logger zum ersten Mal im Praxisbetrieb mit. Drei aufeinanderfolgende Sessions mit verschiedenen Aufgussmeistern wurden aufgezeichnet. Die Charts unten sind direkt aus den CSV-Logs des Geräts gerendert — Temperatur in Orange, relative Luftfeuchtigkeit in Cyan. Sichtbar werden Hitzeverlauf, Reaktion auf den Aufguss und das Abklingen der Feuchte.
Session 1 · Bernhard G. · gesamte Session inkl. Vorschwitzen
15,9 Minuten, sechs Teilnehmer, drei Aufgüsse. In den ersten vier Minuten fällt die Temperatur durch Türöffnung und Personenwechsel von 85 auf 81 °C, in der Vorschwitzphase klettert sie bis Minute zehn wieder annähernd zum Ausgangswert. Drei Aufgüsse zwischen Minute 11 und 15 heben die Feuchte von 7 auf 31,3 %.
Session 2 · Bernhard V. · reine Aufgusssession
Davor wurde vorgeschwitzt — was wir als Saunaverein grundsätzlich empfehlen. Geloggt sind nur die 5,8 Minuten der Aufgussphase. Die Feuchte zeigt mehrere klar getrennte Wellen — jede entspricht einer Aufgusskelle. Die Temperatur bleibt fast konstant zwischen 82 und 83 °C: ein Hinweis auf gleichmäßig dosierte Aufgüsse.
Session 3 · Thomas · reine Aufgusssession
Auch hier wurde davor vorgeschwitzt — was wir als Saunaverein grundsätzlich empfehlen. Geloggt sind nur die 4,9 Minuten Aufgussphase, dichte Folge mit besonders viel Wasser je Aufguss. Vier klar getrennte Aufgusswellen treiben die Feuchte auf bis zu 27,8 %. Die Temperatur am Sensor sinkt dabei von 83,9 auf 81,8 °C — die kräftige Verdunstung kühlt den Messpunkt mit jeder Welle weiter ab, obwohl der Ofen weiter heizt.
Die Charts werden direkt aus den CSV-Logs des Geräts gerendert — jede Datenreihe ist nachvollziehbar und reproduzierbar.
Funktionen
Was kann das Gerät?
Session starten & benennen
Jede Session wird über das Display gestartet. Nach dem Aufguss kann sie optional beschriftet werden — Datum, Aufgussmeister, Besonderheiten. So bleibt jeder Gang dokumentiert und später vergleichbar.
Hitzesteigerung analysieren
Der Temperaturverlauf zeigt, wie schnell und gleichmäßig die Hitze steigt — und ob die Aufgussmenge stimmt. So lässt sich die Technik des Aufgussmeisters objektiv bewerten und gezielt verbessern.
Echtzeit-Anzeige
Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden live auf dem Display angezeigt — direktes Feedback während des Gangs, ohne Schätzen oder Nachfragen.
Session-Verlauf
Vergangene Sessions lassen sich auf dem Display einsehen, einzelne Einträge bearbeiten oder löschen. Fortschritt wird sichtbar — Session für Session.
SD-Karte & Export
Alle Messdaten werden lokal im CSV-Format gesichert — ohne Cloud, ohne Abhängigkeiten. Optional zusätzlich per WLAN in eine eigene MariaDB-Datenbank übertragbar. Weitere Export-Formate sind als Zukunftsfeature geplant — für Ideen sind wir offen.
Teilnehmer-Erfassung
Teilnehmer und Aufgussmeister können pro Session erfasst werden — für vollständige Dokumentation und nachvollziehbare Verantwortlichkeiten.
Open Source
Für die gesamte Sauna-Szene
Der vollständige Quellcode ist frei verfügbar. Wer eine Sauna betreibt — ob Verein, Gemeinde oder Privatperson — kann das Gerät selbst nachbauen, anpassen und verbessern. Keine Lizenzgebühren, keine Abhängigkeiten. Das Projekt gehört der Community.
Quellcode auf GitHubVerbesserungen, Portierungen auf andere Hardware und neue Funktionen sind ausdrücklich willkommen. Pull Requests auf GitHub werden gesichtet und bei Übereinstimmung mit dem Projektziel aufgenommen.
Nachbauen & Kaufen
Die Hardware
Als Hardware-Basis wird die SenseCAP Indicator D1S von Seeed Studio verwendet — ein kompaktes Touchscreen-Gerät mit zwei eingebauten Prozessoren, integriertem WLAN (2,4 GHz) und Anschlüssen für externe Sensoren. Ca. € 93,50 (botland.store). Wer auf die internen Sensoren (CO&sub2;, VOC, Innenraum-Temperatur und -Feuchte) verzichten kann, kommt mit der einfacheren Variante SenseCAP Indicator D1 günstiger weg — ca. € 53. Für den reinen Sauna-Einsatz reicht das, weil ohnehin der externe Kabinenfühler die relevanten Werte liefert. Als Messsonde kommt der FS400-SHT35 zum Einsatz — ein robuster Industrie-Sensor mit IP68-Schutz und 200 °C-Silikonkabel (zwei Meter). Messbereich Temperatur −20 bis +100 °C, relative Luftfeuchtigkeit 0 bis 100 %, Genauigkeit ± 0,1 °C bzw. ± 1,5 % rH. Erhältlich über Amazon (ca. € 20). Für die Verbindung zwischen Sensor und Display wird zusätzlich ein Grove-I²C-Adapter benötigt — für wenige Euro im Handel erhältlich. Gesamtkosten: ca. € 120 (mit D1S) bzw. € 80 (mit D1).
Die Firmware sowie eine Anleitung zur Inbetriebnahme befinden sich im GitHub-Repository.
Service des Super Sauna Club Oberes Piestingtal
Die Messsonde wird über einen Grove-I²C-Adapter mit dem Display verbunden — günstige Adapter sind im Handel erhältlich, kein Löten notwendig. Der Super Sauna Club steht bei Firmware-Installation und technischen Einrichtungsfragen als Ansprechpartner bereit. Spenden unterstützen die Weiterentwicklung des Projekts. Kontakt: ichwill@supersauna.club
Projektstatus
Fertig — und im Ausbau
Fertig · wird ausgebautDer Prototyp läuft beim Super Sauna Club im aktiven Betrieb. Erste Datensätze werden gesammelt, die Software wird laufend verbessert. Was heute verlässlich funktioniert, wird morgen erweitert.
Geplante Erweiterungen umfassen unter anderem eine externe API, an die das Gerät seine Messdaten aktiv übermittelt — damit Auswertungs-Apps, Dashboards und weitere Installationen zentral auf die Daten zugreifen können — sowie einen zweiten Sensor-Anschluss für die Temperatur direkt am Saunaofen, getrennt von der Kabinentemperatur auf Höhe der Gäste. Dazu kommen eine verbesserte Unterstützung für Mehrfach-Installationen und eine übersichtlichere Auswertungsansicht. Wer mitentwickeln möchte, ist herzlich willkommen.
Open Source
Mitmachen & Mitbauen
Der SSC Sauna Logger ist ein Gemeinschaftsprojekt. Jeder Beitrag zählt — ob Code, Feedback oder Nachbau.